Feuertag 18. Pharast 4717 A.R.
Der hinter mir liegende Tag lässt sich bestenfalls als eigentümlich betiteln.
Und offen gestanden bin ich froh ihn überhaupt überlebt zu haben. Noch am frühen Morgen hätte ich dies für reichlich unwahrscheinlich gehalten.
Seit mir die recht plötzliche Abreise aus Mivon durch die ansässigen Ordnungshüter nahe gelegt wurde, fühlte ich mich nicht gerade von Glück gesegnet. Zuerst verliere das hastig entliehene Pferd, dann jagen mich blutdurstige Feen durch die Wälder. Und gerade als ich dachte es könnte nicht noch schlimmer kommen gerate ich in die Fänge dieses Rüpels Ural und seines Trupps.
Nun bin ich es ja gewohnt gestoßen und geschlagen zu werden, und die Götter wissen dass ich schon manche Unbequemlichkeit überlebt habe. Aber alleine der Gestank des Sackes in welchem ich für die folgenden Stunden verschnürt war spottet einer jeden Beschreibung. Meine unflätigen Häscher versicherten mir ausführlich und in allen Einzelheiten welche wenig erbaulichen Dinge eine gewisse Karda am Ziel unserer Reise mit meinem Gemächt anzufangen gedachte. Wer mag es mir verübeln dass ein solches Ende mir nicht sehr erstrebenswert erschien.
Es mag unglaublich klingen, doch diesmal war ich es der gerettet wurde. Drolligerweise von einem Ritter, mitsamt stolzem Ross und glänzender Rüstung. Wie in einem Märchen. Mein Stolz wird wohl noch eine Weile daran zu arbeiten haben. Nun war dieser Kerl zwar gut aussehend und hatte eine geschmeidige Zunge, welche es ihm erlaubte für eine absurde Summe Ural und seine Bande zu bestechen, allerdings mangelte es ihm vollständig an Höflichkeit mir gegenüber. Immerhin bedrohte er nicht mein Gemächt.

Der ungehobelte Schönling trägt den Namen Oswyn. Im ersten Eindruck halte ich ihn für gefährlich. Ich werde seine Gesellschaft bis auf weiteres meiden.
Seine Mitreisenden sind ebenfalls undurchsichtig. Zunächst hielt ich die fünf für Aufständische oder schlichte Söldner. Aber offenbar steckt mehr in ihnen als es zunächst schien.
Der Zwerg, der sich nuschelnd als Bengram vorstellte, scheint ein Mann des Glaubens zu sein, hat aber durchaus den Grimm eines Kriegers in den Zügen. Wenn ich ihn recht verstand wollte er mich zwingen einige Wochen für eine Bande Zwerge aufzutreten. Ich bin mir nicht sicher ob ich ihn mögen soll, tendierte zunächst aber dazu ihm ebenfalls aus dem Weg zu gehen.
Am auffälligsten war der Riese um dessen Identität die Gruppe ein großes Geheimnis macht. Er schien mir ernster und düsterer als der Rest der Gruppe, fast ein wenig schwermütig. Womöglich ist es das Funkeln in seinen Augen, aus irgend einem Grund gefällt er mir.
Ganz im Gegensatz zur Ernsthaftigkeit des Titanen steht der merklich instabile Zauberer. Ich meine eine gehörige Spur Irrsinn in seinem Worten und Gesten zu erkennen. Ihn halte ich für noch gefährlicher als den Ritter.
Letztlich empfinde ich den recht stillen und zurückhaltenden, aber wenn nötig dennoch wortgewandten Gnom den sie Bardi nennen als das mir bisher angenehmste Gruppenmitglied.

Im Laufe des Tages war ich stiller Beobachter im Sattel des Ritters und konnte einige faszinierende Dinge miterleben. So erwies sich dieser Bengram als ausgesprochen kompetenter Heiler. Er vermochte es einen dunklen Fluch von einem leibhaftigen Satyren zu nehmen. Dieser ist mit einigen der Gruppenmitglieder vertraut und begleitet uns seither. Aus den Worten des Wesens wurde ich nicht recht klug, offenkundig wurden die Waldbewohner Opfer eines Fluches und dies hängt mit der Entführung einer Dryade und besagter Karda zusammen. Ich muss gestehen dass die Verknüpfung der Vorgänge mir noch etwas schwer fällt.
Als schließlich ein Feendrache auftauchte und die Gruppe anhielt doch noch nach Elfenwacht zu reisen war ich mir sicher dass hier Material für ein episches Schauspiel auf mich wartet.

Während ich diese Zeilen meinem Tagebuch anvertraue, befinde ich mich sicher und trocken im Gasthaus zum Einhorn in Elfenwacht und genieße den Apfelwein aus dem Krug welchen die bezaubernde Schankmaid mir regelmäßig auffüllt. Ihre Augen glänzen auf eine Art die mir sagt dass ich es in der heutigen Nacht warm haben werde.
Session: Der Amvarea Zyklus - Die Finsternis in den Wäldern - Sunday, Apr 01 2012 from 2:00 AM to 6:00 AM
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